Schulinterne Fortbildungen Kreativitäts-Training

Rudolf B. Wohlgemuth 26160 Bad Zwischenahn Tel. 04403-916014

 

Ein Betrag zum Paradigmenwechsel:

Wie Kreativität systematisch verhindert wird!?

Bestätigungssignale im Bereich der Schule

 "Als Sie alt genug waren, um in die Schule zu gehen, traten Sie in eine Institution ein, die eigens dazu bestimmt ist, zu bestätigungsheischendem Denken und Verhalten zu erziehen. Baue nie auf dein eigenes Urteil! Frag bei allem, was du tust, um Erlaubnis. Frag den Lehrer, ob du zur Toilette gehen darfst. Da ist dein Platz, verlass ihn nicht, sonst setzt es einen Verweis! Alles war auf Fremdsteuerung angelegt. Anstatt Sie denken zu lehren, brachte man Ihnen bei, sich nur ja keinen selbstständigen Gedanken zu erlauben. Falte deinen Bogen in sechzehn Quadrate und schreib nicht auf die Kanten. Lies zu Hause Kapitel eins und zwei. Übe diese Wörter. Zeichne dies! Lies das! Sie wurden zum Gehorsam erzogen. Erregten Sie den Zorn der Lehrerin oder, noch schlimmer, den des Rektors, dann erwartete einen monatewährende Zerknirschung. Das Zeugnis war eine Mitteilung an Ihre Eltern, wie viel Anerkennung Sie sich erworben hatten.

  

   Wenn Sie sich die Zielsetzung Ihrer Schule ansehen, so wie sie anlässlich der Abschlussfeier oder bei ähnlichen Gelegenheiten verkündet zu werden pflegt, stoßen Sie höchstwahrscheinlich auf eine Erklärung etwa folgenden Inhalts:

 

   «Wir an der Emerentius-Gnadenreich-Schule in ABC-Stadt glauben an die großen Entwicklungsmöglichkeiten unserer Schüler im pädagogischen Sinne. Wir sind bemüht, unseren Spielraum innerhalb des Lehrplans im Sinne der individuellen Bedürfnisse jedes Schülers zu nutzen. Selbstverwirklichung und individuelle Entwicklung sind das Ziel, das wir anstreben und fördern ... und so weiter. »

 

   Wie viele Schulen oder Lehrer wagen es schon, diese Worte in die Tat umzusetzen. Fängt ein Schüler an, Spuren von Selbstverwirklichung und Autonomie zu zeigen, wird er sofort in die Schranken gewiesen. Unabhängige, von Selbstliebe erfüllte Schüler, die gegen Schuld- und Angstgefühle unempfindlich sind, werden systematisch als Störenfriede verschrieen.

 

   Die Schule versteht sich nicht gut auf den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die Anzeichen von unabhängigem Denken erkennen lassen. Allzu oft führt der Weg zum Erfolg über das Streben nach Bestätigung. Die alten Klischees vom Lehrerliebling und Einschmeichler sind nicht ohne Grund entstanden. Sie existieren - und funktionieren - auch heute noch. Wenn ihr euch das Wohlwollen der Lehrer sichert, euch ihren Anordnungen gemäß verhaltet, brav lernt, was euch vorgesetzt wird, dann werdet ihr auch die Schule erfolgreich abschließen! Allerdings auch mit einem ausgewachsenen Bedürfnis nach Bestätigung, da so gut wie jede Regung von Selbstvertrauen unterdrückt worden ist.

 

   Nach fünf, sechs Jahren Schulbesuch hat der Schüler seine Lektion in Sachen Bestätigung in der Regel gelernt. Kommen Entscheidungen hinsichtlich Fächerwahl und Ähnliches auf ihn zu, dann antwortet er dem beratenden Lehrer: «Ich weiß nicht recht, sagen Sie mir doch, was ich machen soll!» Später fällt es ihm schwer, mit seinen Wahlmöglichkeiten zurechtzukommen, denn im Grunde ist es ihm viel lieber, wenn über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Im Klassenzimmer lernt er, nicht anzuzweifeln, was ihm gesagt wird. Er lernt, Aufsätze so zu schreiben, wie es sich gehört, den «Faust» korrekt zu interpretieren und Referate abzufassen, die sein Urteil und seine Sicht zwar aussparen, aber dafür alles Gesagte mit Zitaten und Belegen untermauern. Lernt er das alles jedoch nicht, dann wird er bestraft mit schlechten Zensuren - und der Missbilligung der Lehrer obendrein. Wenn der Schüler dann vor dem Abschluss steht, hat er Mühe, eine Entscheidung allein zu treffen, denn häufig nicht weniger als dreizehn Jahre lang ist ihm immer wieder gesagt worden, wie und was er denken soll. «Frag doch den Lehrer!» Das war so lange sein täglich Brot, dass er jetzt, da er das Abitur erreicht hat, nicht mehr selbstständig denken kann. Stattdessen hungert er nach Bestätigung, hat er doch erfahren, dass die Billigung durch andere gleichbedeutend ist mit Erfolg und Glück.

 

   Die Indoktrination setzt sich an der Universität im gleichen Stile fort. Sie müssen drei Klausuren in jedem Semester schreiben, benutzen Sie bitte für Ihre Arbeiten das richtige Format, geben Sie nur Maschinengeschriebenes ab, gliedern Sie Ihren Text in Einleitung - Hauptteil - Schluss, lesen Sie die Kapitel ...! Ein einziges großes Fließband. Passen Sie sich an, verderben Sie es nicht mit Ihren Professoren und Sie schaffen es! Gerät der Student doch einmal in ein Seminar, in dem der Professor erklärt: «In diesem Semester können Sie sich mit einem Thema Ihrer Wahl aus Ihrem Interessengebiet beschäftigen. Ich werde Ihnen bei der Auswahl wie bei der Arbeit behilflich sein, aber letzten Endes geht es ja um Ihre Ausbildung, also handeln Sie nach eigenem Gutdünken! Ich werde Ihnen dabei, soweit es in meinen Kräften steht, zur Seite stehen», dann gerät er in Panik. «Aber wie umfangreich muss die Arbeit denn sein?», «Wann müssen wir sie abgeben?», «Muss sie mit der Maschine geschrieben sein?», «Welche Bücher sollen wir lesen?», «Wie viele Klausuren?», «Was für Fragen?», «Welches Format sollen wir benutzen?», «Wie viel Rand sollen wir lassen?», «Muss ich jedes Mal anwesend sein?»

 

   Das sind die Fragen eines Bestätigungssuchers. Eingedenk der vorher erwähnten Erziehungsmethoden kommen sie keineswegs überraschend. Der Student ist noch darauf trainiert worden, nicht für sich selbst zu arbeiten, sich mit dem Professor gut zu stellen und fremden Maßstäben zu genügen. Seine Fragen ergeben sich als letzte Konsequenz eines Systems, das das Bestätigungsstreben als Lebensnotwendigkeit betrachtet. Selbst denken zu müssen, flößt unserem Studenten großen Schrecken ein. Es ist doch einfach bequemer und sicherer, immer das zu tun, was andere von einem erwarten."

 

(gesehen in: Wayne W. Dyer: Der wunde Punkt, Reinbek bei Hamburg 1998, S. 71 – 73)

   

 

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